Wüstungen rund um Friedberg

Ein Faible für verfallenes Gemäuer hatte ich ja schon immer. Aber auf einer alten Karte fand ich Orte in der Nähe meines Wohnortes Rosbach, die heute nicht mehr existieren. Diese ehemaligen Orte werden Wüstungen genannt. Sie wurden zumeist aufgrund von Kriegshandlungen, Bränden oder Seuchen im Spätmittelalter zerstört, aufgegeben oder verlassen und wurden wüst.

In anderen Fällen lockten aufstrebende Reichsstädte wie Friedberg mit Schutz und Privilegien und zogen damit die Bewohner der umliegenden Dörfer an. Friedberg ist deshalb mit einem Kranz von alten Ortswüstungen umgeben.

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Kartenausschnitt "Hassiae Superioris Et Wetterau" v. Christoph Max Pronner anno 1746
Quelle: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Historische Karten

Nachdem ich mich jetzt eingehender mit Ortswüstungen im Altkreis Friedberg beschäftigt habe, fand ich heraus, dass mindestens 45 Ortswüstungen rund um Friedberg bekannt sind!

Alphabetische Ortsliste spätmittelalterlicher Wüstungen im Kreis Friedberg

Diese Seite enthält einen Index mit wüstgegangenen Ortschaften im Altkreis Friedberg. Wenn Sie auf einen Namen klicken, gelangen Sie zur Seite mit Informationen über den Ort. (Die Seiten mit den Orten werden nach und nach online gestellt. Falls Sie weitere Informationen zu einem [oder mehreren] Ort[en] haben, schreiben Sie mir bitte).

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Badenhausen

Das Dörfchen Badenhausen lag wahrscheinlich an der westlichen Gemarkungsgrenze Ober-Wöllstadts an der alten Heerstraße nach Petterweil. Noch heute heißt die Flur dort "Bodenhäuser Feld".
Im Güterverzeichnis des Deutschen Ordens wird der "Badenhusirweg" genannt. Auch in der Grenzbeschreibung der Gemarkung Rosbach von 1482 wird das Badenheißer Feld genannt, 1570 als Badenhaußer Feld.

Beinhards

Der Beinhardshof liegt nordwestlich von Rodheim nahe der A5 und gehört noch heute dem Grafen von Solms. Südöstlich des Hofes liegt ein Jägerhaus, an dem die alte Weinstraße von Burgholzhausen nach Ober-Rosbach vorüberzog. Wahrscheinlich hat der ausgegangene Ort Beinhards oder Benhardts direkt an der Weinstraße gelegen, an der nördlichen Grenze der Rodheimer Gemarkung, wo noch heute eine Flur "am Kirchhof" genannt wird. Erwähnt wurde der Ort erstmals 1390 in einer Urkunde anläßlich des Verkaufs von Zehnten in verschiedenen Ortschaften, darunter auch Beinhards.

Beinhards hatte auch ein eigenes Gericht, da in alten Urkunden von 1493 und 1517 "das Gericht zum Beinhards zwischen Rodheim und Roßbach" erwähnt wird.

Eizebach

Ortsnamen in alten Quellen: (1347 Eysenbach) Erwizinbach, Eizenbach, Erzenbach.

Die Siedlung Eizebach, wohl nur ein Weiler, lag in der Gemarkung Ober-Mörlen, vermutlich dort, wo der Eizebach aus dem Wald austrat und sich Richtung Usa wandte. Nahe bei der dortigen sternförmigen Wegekreuzung scheint der Dorfplatz gelegen zu haben. Das Feld an der "Dodenmure" - später Dohlenmauer - grenzte vermutlich an die einstige Kirchhofsmauer.

Im Jahre 1462 wurde die Siedlung in der Mainzer Stiftsfehde zwischen den Erzbischöfen Adolf von Nassau und Dieter von Isenburg verbrannt. Die Bewohner bauten Eizebach auf Anraten der Landesherrn nicht wieder auf, sondern zogen nach Ober-Mörlen.

Die 1894 abgebrannte, an der Einmündung des Eizebaches in die Usa gelegene Mahl- und später Oelmühle scheint die Mühle des Ortes gewesen zu sein.

Holzheim

Wilhelm Braun vermutet in seinem Aufsatz "Ausgegangene Orte und Höfe im Kreis Friedberg", dass es nordöstlich von Rodheim noch eine Siedlung "Holzheim" gab, die 1390 von Fulda zusammen mit Großenpetterweil und den Zehnten in den Dörfern Cleinen-Petterweil, Lichen, Rodenheim, Stirzelsheim, Wirtheim und zum Benhardts verkauft wurde. Weiter vermutet er, dass die weitab anderer Dörfer liegende "Seemühle" die Mühle des Dorfes "Holzheim" war. Auch der in dieser Gegend öfter vorkommende Nachname "Holzheimer" bestätigt ihn in seinen Vermutungen.

Auf der Homannschen Karte von 1728 "S[acri] R[omani] IMP[erii] COMITATUS HANAU" ist tatsächlich östlich der Seemühle noch ein Hof vermerkt, allerdings ist er als "Neue Herberg" bezeichnet. Hierbei könnte es sich durchaus um einen noch länger verbliebenen Hof Holzhausens handeln.

Lichen (Leichen)

Schon fand sich der Ort Lichen in alten Urkunden, etwa 775 als villa Lihen im Niddagau, oder 1162 Güter in Glihchen, 1253 Liche bei Peterwile, 1298 Dorf Lichen oder 1545 Leicher Weg.

Die Ortschaft Lichen oder Leichen lag östlich von Rodheim zwischen den Straßen Rodheim-Nieder-Wöllstadt und Rodheim-Okarben, ungefähr dort, wo die alte Heerstraße sie kreuzt. Die Feldfluren dort heißen heute noch "Hinter der Leicher Kirche" bzw. "der Laicher Grund" und weiter östlich "das Laicher Feld". Eine größere Zahl geistlicher Großgrundbesitzer, die ihre Güter von Pächtern bewirtschaften ließen, war in Lichen begütert; neben den Klöstern Lorsch, Fulda und Arnsberg später das Gredenstift zu Mainz und das Deutschordenshaus zu Sachsenhausen. Die Anzahl freier Bauern nahm daher stetig ab. Auch die 1362 früh mit Stadtrechten ausgestattete Gemeinde Rodheim nahm viele ehemalige Leichener Familien auf. 1539 gab es in Leichen nur noch sechs in Erbpacht bewirtschaftete Höfe.

In Rodheim soll es Mitte des letzten Jahrhunderts noch Familien gegeben haben, deren Vorfahren aus Leichen kamen. Auch soll es in Petterweil und Bad Vilbel vermehrt den Familiennamen "Leichner" geben.

Niederhofen

In einem Güterverzeichnis von 1334 wurde bei Nieder-Rosbach ein Feld "gegen Niederhofen" genannt. Die Bezeichnung "Niederhöfer Feld" hat sich bis ins 17. Jahrhundert erhalten; heute heißt die Flur "Beunbach", wie der vorbeifließende Bach. Es lag nördlich des Beunbachs, zwischen der Seemühle und der Harbmühle. Nach der Pfarrchronik von Nieder-Rosbach wurden 1857 die Grundmauern eines großen Gebäudes ausgegraben und ausgebrochen. Ein Teil der Mauern mag heute noch im Boden stecken. Im sehr trockenen Sommer 1921 soll der Verlauf der Mauern noch sehr deutlich am schlechten Getreidestand zu erkennen gewesen sein. Auch wuchs auf einem der dortigen Äcker eine größere Menge des lästigen Weinbergunkrauts "Osterluzei", das noch Jahrzehnte später die Lage einstiger Wingerte anzeigt.

Rode

Der Ort Rode (Roderin, Rodde) lag im Feld zwischen Nieder-Wöllstadt und Bruchenbrücken. An dem Fußweg von Nieder-Wöllstadt nach Bruchenbrücken heißt eine Flur "Im Rödern". Dort bestand eine besondere Gemarkung, die das Röder Feld genannt wurde. In Urkunden wurde der Ort 1280 Roderin genannt, 1348 und 1401 sind Wiesen, gelegen "in dem Rodde" und "auf den Roddern zwischen Wollnstadt und Bruchinbruckin" belegt.

Stürzelheim

Stürzelheim lag west-südwestlich von Rodheim am alten Weg von Rodheim zur Schülermühle. Dort, wo das Gelände in der Nähe der Gemarkungsgrenze und der Weinstraße etwas ansteigt, war oberhalb der Wiesen der alte Dorfbrunnen. Das Dorf kommt erstmals in einer Urkunde von 1390 als Stirtzelheim vor, 1446 wird Henne von Bellersheim mit "der dessen Hofe zu Störzelnheim verliehenen Freiheit" belehnt. Der Ort selbst ist schon früh ausgegangen, jedoch werden der burgähnliche Hof der Herren von Bellersheim und die dazugehörige Dickmühle noch in einer Liste über die Verteilung der Kriegskosten im Dreißigjährigen Krieg erwähnt.

1560 bitten die Rodheimer die Herrschaft Hanau um Genehmigung, die "wüsten Ellern" vor dem Forst in der Stürzelsheimer Gemarkung umzäunen zu dürfen.

In einem Güterverzeichnis kommt 1602 vor: "Verzeichnis der Länder in Stürzelheimer Terminei obewendig der Mainzer Straße nacher Köppern, Stürzelheimer Lenzenfeld gegen Peterweil, Stürzelheimer Brachfeld jenseits der Mainzer Straße bei Holzhausen gegen der Altenburg, Stürzelheimer Saamenfeld jenseits der Mainzer Straße gegen Köppern und den Rodheimer Forst, Acker genannt die Hell auf die Stürzelheimer Hohle ..."

Wagner zitiert ein Schreiben ohne Altersangabe, aber aus dem 18. Jahrhundert mit folgendem Inhalt: "Nachdem nun Stürzelheim, Wirtheim, Groß- und Klein-Leichen und Oberpeterweil, alle nahe an und um den Flecken Rodheim gelegene kleine Dörfer, in den alten Kriegszeiten gänzlich verheeret und abgebrannt, dergestalt, dass fast keine Rudera mehr davon zu sehen, außer zu Stürzelheim, der Platz mit einem Wassergraben umgeben ..."

Straßheim

Straßheim interessierte mich insofern sehr, da wir in Rosbach im Straßheimer Weg wohnen und ich mich anfangs wunderte, woher dieser Straßenname stammte. Es gibt heute auch noch einen Straßbach in der Rosbacher Gemarkung. Schließlich stiess ich auf die Abhandlung eines Friedberger Heimatforschers über die Wüstung Strassheim bei Friedberg und auf einige Informationen im Internet.

Hollar

Von der früheren Ortschaft Hollar ist heute nur noch die Dorfkirche, die Hollarkapelle, inmitten der Ockstädter Kirschenfelder erhalten.

Über die Ortschaft Seelem, die sich zwischen Köppern und Rodheim befand (siehe Kartenausschnitt), habe ich bis heute leider noch nichts nennenswertes gefunden ... allerdings vermute ich mittlerweile fast, dass damit Seulberg gemeint sein könnte.

Weitere Wüstungen in der Wetterau

Feldheim

Die Wüstung Feldheim lag bei Utphe, urkundlich auch Veltheim, Feltheim. Noch heute besteht die Gemarkung als Feldheimer Wald. Der ausgegangene Ort war westlich von der "Fehlheimer Seewiese" verzeichnet und östlich des Schleibergs, dort, wo sich früher mehrere Wege vereinigten, zwischen Bellersheim und Inheiden.

Bergheim

Die Wüstung Bergheim (Berkeim, Bercheim) lag nach Dieffenbach etwa 20 min. nordwestlich von Wölfersheim. Sie lag etwa 300 Schritte östlich der "Hohen Straße" und ebenso weit vom Reutsberg entfernt, den historische Generalstabskarten als "Commenthurberg" bezeichneten, sowie etwa 500 Schritte östlich vom Limberg. Nur 150 Schritte entfernt war die Grenze von Wölfersheimer und Wohnbacher Gebiet.

Die Lage des Ortes wird an der Stelle angenommen, wo der von Wohnbach kommende, nördlich des Reutsbergs hinziehende Weg auf den Weg von Wölfersheim nach Münzenberg traf. Am südwestlichen Fuß des Reutsbergs befand sich eine Quelle, die "Bergelsheimer Börnchen" genannt wurde. (Wagner, Wüstungen im Großherzogthum Hessen)

Heyenheim und Geisenheim

Zwischen Weckesheim, Södel und Wölfersheim liegt die ehemalige Gemarkung des Dorfes Heyenheim. Die Wüstung Heyenheim wird dort vermutet, wo der von Weckesheim nach dem sogenannten Burghof ziehende Weg auf den Weg nach Melbach und einen Fußweg zum Mörsfeld trifft. Die Gemeinden Melbach und Wölfersheim hatten lange Streitigkeiten wegen des Heyenheimer Feldes, die erst Mitte des 19. Jahrhunderts beigelegt werden konnten.

Ebenso wird in dieser Gemarkung die Wüstung Geisenheim vermutet, am wahrscheinlichsten am Burghof, der am Weg von Echzell nach Södel an der Einmündung des Weges von Weckesheim liegt. In dieser Flur fanden sich vor gut 150 Jahren noch Reste von Gebäuden und Wagner vermutete, dass hier eine Burg gestanden habe, in deren Nähe Geisenheim gelegen haben könnte.
Ein von dort durch das Södeler Feld nach Melbach ziehender Weg wurde noch lange "der Kirchweg" genannt.

Heute gibt es in Wölfersheim den Heyenheimer Weg und den Ortsteil Geisenheim, der allerdings nordöstlich von Wölfersheim liegt.

Quellen

Braun, Wilhelm: Ausgegangene Orte und Höfe im Kreis Friedberg, in: Wetterauer Geschichtsblätter (1952)
Wagner, Georg Wilhelm Justin: Die Wüstungen im Großherzogthum Hessen, 1854
Eigene Nachforschungen