Phänomene und Probleme bei der Ahnenforschung

Ein toter Punkt!

Irgendwann stoßen wir alle an die Grenzen unserer Forschungen: Als toter Punkt wird der Endpunkt einer Ahnenlinie bezeichnet, bei dem weitere Vorfahren mit üblichen Methoden nicht ohne weiteres ausfindig zu machen sind, aber aufgrund der Quellenlage begründete Hoffnung besteht, weitere Zusammenhänge aufzuklären. Dies ist z.B. der Fall,

Wenn wir in der Zeit vor der Kirchenbuchaufzeichnung angelangt sind (ca. Anfang des 16. Jahrhunderts) wird von Schlußahnen gesprochen, da eine weitere Forschung aufgrund fehlender Quellen vielfach unmöglich ist.

Strategien zur Überwindung toter Punkte

Zur Überwindung toter Punkte ist es notwendig, neue und umfangreichere Quellen ausfindig zu machen und durchzusehen.

Dazu zählen in erster Linie die gebräuchlichen Methoden der genealogischen Forschungsarbeit: Zuerst das nochmalige Durchforsten der Kirchenbücher (auch um eigene Fehler auszuschließen); Erfassen aller Daten zur Person selbst (Rückrechnen des Geburtsjahrs aus dem Sterbejahr); Zusammenstellen aller Schreibvarianten von Personen- und Ortsnamen; von wann bis wann wurden in den Familien Kinder getauft.

Zudem kann die Erfassung der gesamten Verwandtschaft inklusive Seitenlinien Hinweise auf Namen der Ehefrau und den Herkunftsort erbringen. Die Durchsicht aller Paten und Trauzeugen des gesamten Ortes ist der nächste Arbeitsschritt. Es empfiehlt sich auch, die Gerichtshandelsbücher einzusehen, da in ihnen bei Ortsfremden oft deren Heimatort oder bei Kindern der spätere Aufenthaltsort genannt wird. Weiter gehts mit der systematischen Durchsicht der Kirchenbücher und danach der Gerichtshandelsbücher der umliegenden Dörfer oder Städte, wobei die Durchsicht von Steuerlisten auf vorkommende Familiennamen den Suchraum einengen kann. Als letzte Möglichkeit verbleibt oft nur die großräumige Verkartung des gesamten Berufszweigs im Forschungsgebiet oder aller Namensträger bzw. bei Namensgleichheit die Erstellung eines Ortsfamilienbuchs, in das dann die Daten aus den Gerichtshandelsbüchern mit eingearbeitet werden.
(Quelle: Wikipedia.de)

Unter Umständen können auch alte Salbücher, Steuerregister, Bürger- und Adressbücher weiterhelfen. Schon bestehende oder ältere Ortschroniken können wertvolle Hinweise liefern. Manchmal befinden sich in den Stadtarchiven auch Abschriften alter Kirchenbücher, die sonst nur in den Diözesanarchiven einsehbar sind.

Sehr gute Erfahrungen habe ich durch die Veröffentlichung meiner Familiendaten und daraus entstehenden Internetkontakten gemacht, die jeweils einen wichtigen Teil zu unserer Familiengeschichte beitragen konnten.

Ansonsten kann Ihnen nur etwas Glück helfen, die Nadel im Heuhaufen zu finden und Sie landen einen Zufallstreffer (z.B. im Internet), oder Ihre früheste Familiengeschichte bleibt leider für immer unter dem dunklen Schleier der Vergangenheit verborgen ...

Ahnenschwund oder Ahnenimplex

Je weiter Sie in der Vergangenheit forschen, desto wahrscheinlicher wird bei Ihnen auch irgendwann Ahnenschwund (Fachterminus: Implex) auftreten. Ahnenschwund oder Ahnenimplex beschreibt das Phänomen, dass die Gesamtzahl der Ahnen aufgrund von Heiraten innerhalb der Familie niedriger ist als die zu erwartende Anzahl.
Zum Beispiel, wenn weitläufig miteinander Verwandte oder Cousin und Cousine geheiratet haben, was früher in ländlichen Gegenden öfter vorkam. In kleineren Dörfern wurde oft innerhalb der Dorfgemeinschaft geheiratet, so dass längerfristig fast alle Bewohner mehr oder weniger miteinander verwandt waren. In so einem Fall haben Sie z.B. in der Großelterngeneration nicht vier verschiedene Vorfahren, sondern nur noch zwei, da die Großeltern dann doppelt vorkommen.

Alte Handschriften

Wie ärgerlich! Jetzt haben Sie mit viel Mühe alte Geburtsurkunden vom Standesamt erhalten oder Kirchenbucheinträge Ihrer Ahnen vorliegen und können Sie nicht lesen? Die Entzifferung alter Handschriften ist nicht immer einfach, da früher in Kurrent- oder Sütterlinschrift geschrieben wurde und Kirchenbucheinträge üblicherweise in Latein verfaßt wurden. Dafür gibts meine Übersichtstabelle alter Handschriften und meine Übersetzungshilfe für Kirchenbuchlatein.

Unterschiedliche Schreibweisen

Probleme können mitunter auch sich über die Jahrhunderte ändernde Schreibweisen des Familiennamens bereiten. Viele Namen wurden von den Pfarrern nur nach Gehör in den Kirchenbüchern verzeichnet, da die einfache Bevölkerung vielfach des Lesens und Schreibens nicht mächtig war. Wenn der Pfarrer wechselte oder unsere Vorfahren in einen anderen Ort umzogen, konnten somit ganz andere Schreibweisen eines Namens auftauchen. So veränderte sich z.B. in meiner Familie die Schreibweise des Names Peischl nach mehreren Generationen in Beischl und Beuschl.