Baderfamilie Schmid vom Samerberg

Im Rahmen meiner Forschungen und mit Hilfe verschiedener Familienmitglieder ist es mir gelungen, über meine Vorfahren, die Baderfamilie vom Samerberg, einiges herauszufinden. Einen Teil meiner Ergebnisse möchte ich hier veröffentlichen.

Inhaltsverzeichnis

Der erste Schmid

Der Spitzenahn unserer Familie ist Simon Schmid, ein Weber aus Söllhuben, eine kleine Gemeinde nicht weit vom Samerberg im Kreis Rosenheim. Sein Geburtsdatum ist nicht bekannt, aber im Buch “Rossoltesperg, Samerberg“ taucht in der Familien- und Hofgeschichte über die “Wörndl Wirtschaft, früher Mesnerhaus, Badergütl“ (heute Gasthaus Alpenrose), am 06.02.1668 erstmals der Name Simon Schmid auf. Er war Mesner und Weber, stammte aus Söllhuben und heiratete an diesem Tag Elisabeth Ertl (III.), vormals Elisabeth Mayr (II.), vormals Elisabeth Niedingerin (I.). Mit der Heirat bezog er das Haus, auf dem eine alte „Badergerechtigkeit“ lag, d.h. das Recht, das Badergewerbe auszuüben. Die Badergerechtigkeit war damals an den Besitz geknüpft und wurde durch Einheirat oder Erbe weitergegeben.

Zusammen hatten Simon Schmid und Elisabeth „Schmidin“ einen Sohn, Christoph Schmid, geboren am 28.06.1668, nur vier Monate nach der Hochzeit. Als Elisabeth zwei Jahre nach der Geburt ihres Sohnes am 08.05.1670 starb, heiratete Simon Schmid schon ein Vielteljahr später am 05.08.1670 Anna Mayrin aus dem Kastnhäusl (II) und nach deren Tod am 15.02.1680 noch Catharina Glasin aus Grainbach (III).

In einer Archivalie ist vermerkt, dass zum Besitz 1671 an Vieh „3 Khüe, 3 Imben, kann nur 1 Khue vuedern“ gehören (Imben sind m.E. Bienen, also 3 Bienenstöcke).

Die Greueltat der Panduren 1704

Am 18.07.1704 wird Simon Schmid von Kroaten ermordet. Josef Dürnegger, der Pfarrer von Törwang, gab im Jahr 1929 sein Buch „Der Samerberg – in Vergangenheit und Gegenwart“ heraus. Darin beschreibt er die Bluttat der österreichischen Panduren als einen kritischen Tag erster Ordnung und er hält die Tat wie folgt fest:

"1704 fällt Graf von Gutenstein aus Tirol in Bayern ein, durchbricht die Bayernlinie im Inntal und steht am 22. Juli vor Schloß Aschau, das sich bereits nach zwei Tagen ergibt. Gutenstein hat hierbei wahrscheinlich den kürzeren Weg durch den Samerberg gewählt. Am 18. Juli wenigstens stehen Panduren in Grainbach. Mesner Simon Schmid fällt als Opfer der Pflichttreue. Das Ziel der Plünderer scheint die Kirche dortselbst gewesen zu sein, möglich auch, dass Simon Schmid ins Soldatengewand sollte gesteckt werden. Wie dem auch sei, Schmid schloß die Kirchentüre hinter sich ins Schloß und glaubte so, sich oder die Kirche retten zu können. Doch die Kroaten hämmerten allen Ernstes an der Türe und waren bereits daran, durch die geschaffene Öffnung einzudringen. In seiner Angst, so erzählt nun die Überlieferung, sei Schmid auf den Turm gestiegen und habe sich außen an einem Glockenseil herabgelassen; allein, da es nicht bis zur Erde herniederreichte, habe die Glocke beim Absprung angeschlagen und die Kroaten auf den Flüchtling aufmerksam gemacht. Der Vorsprung, den Schmid erreichen konnte, war zu klein; den Panduren gelang es noch, auf ihren schnellen Pferden den armen Mann niederzusäbeln in dem Augenblicke, als er bei Wiedholz im Dunkel des Waldes verschwinden wollte. Bis in die letzten Jahre stand an dieser Stelle ein Bildstöckl mit folgender Aufschrift: "Hier ist Simon Schmid, Mesner von Grainbach, von den Kroaten zerhautet worden. 1704".

Foto Marterl in Grainbach
Das Marterl in Grainbach
Foto von der ausgebesserten Kirchentür
Die ausgebesserte Kirchentür
in Grainbach

1927 wurde die Erinnerung an diese Kriegstat durch die neue Aufstellung eines Bildstöckls wieder wachgerufen. Die Spuren an der Kirchentüre sind innen noch zu sehen; nach außen ist die Öffnung mit einem Laden verdeckt."
Wie die weiteren Niederschriften von Pfarrer Dürnegger berichten, gab es nach dieser Bluttat am Mesner von Grainbach noch weitere Greueltaten der Eindringlinge. Der Bildstock (Marterl) ist heute noch zu sehen und wird von der Samerberger Gebirgsschützenkompanie gepflegt. 1999 wurde das Marterl von der Glasn-Bäuerin von Eiding restauriert und die Gebirgsschützen versammelten sich zum Gebet.

Zum dreihundertsten Jahrestag des Pandurenüberfalls im Sommer 2004 wurde diese alte Geschichte bei den Samerberger Freilichtspielen mit großem Erfolg aufgeführt.


II. Generation: Christoph Schmid

Zur Zeit unserer Ahnen wurden in Not und Krankheit die Heiligen und Schutzpatrone angerufen und verlobte Tage gefeiert, an denen zu den Schutzpatronen gebetet wurde.

Wie groß die Not und die Gefahr von Krankheiten war, beweist eine Aufzeichnung, nach der 1684 "Christoph, des Ehrbaren Simon Schmid mößners zu grainpach Leiblicher Sohn, in ain schwere und todtsgefährliche Krankheit gefallen, und kain anders mitl selbe zuvertreiben erklackhet, hat der Vater sich zu den allgemainen Mitl, und Hayl der Krankhen gwendet, nemlichen zu Mariam. Verlobt ain Kürchfahrt und opfer in Stockh zu Unser Lieben frauen am Kürchwaldt, umb erlangung der gesundtheit seines sohns, welches mitl alsbaldt seinen effekt und würkhung, durch erhaltne gsundheit spirn Lassen, desstwegen sye bey verrichten glibt, zue Zeignus ain Tafl mitgebracht".

Christoph Schmid überlebte die Krankheit und wurde Mesner. 1729 bemühte er sich um eine Erlaubnis zur Badereiausübung beim Pfleggericht in Rosenheim, wie diese historische Quelle beweist: Der Pfleger von Rosenheim schreibt 1729, "dass Christof Schmid Mösner zu Grainbach bey hiesigem Pfleggericht vorstellig gemacht, waswassen bei seiner besitzenden behausung alda eine Uhralte Baader Gerechtigkeit Verhandten sey, welche ansonsten ein daselbstige Gemain oder Creuztracht innengehabt, jedoch ein und zu grundt gehen lassen, dessen Vater Simon Schmidt aber mit derselben einverwilligung vor bereits 60 Jahr widerumben erhoben Und an sich gebracht hat, also zwar, daß die Baadstuben de facto würklich stehet, auch unterschidliches Baaderzeug als 2 Öfen, ain großer Kupferner Köstl (Kessel), Züber, Schäffer, Söchter, Penk an anders sich darin befindt, den hierüber aufzuweisen gehabten aigenthumbs brief hingegen gedacht dessen Vater in dennen vorbeygegangenen Kriegszeiten und hierdurch geschehener Blinderung verlohren habe, dahero gehorsamst gebeten, ihme diesertwegen einen ankonftbrief, um sich auf bedürftenten Fall hiermit legitimieren zu können, zuertheilen ..."

Schmid wurde am 15. April 1731 mitgeteilt, dass „beriehrte Baadsgerechtigkeit, gleich es von alters geschehen hinfür als ihr aigenthumb innen haben, nutzen, niessen und gebrauchen, auch in anderweg damit handeln und wandeln könne, wies ihnen gelust und gelangt“.

Das Badergewerbe

Bart scheren, Haare schneiden, Blutegel ansetzen, Aderlassen, heilkräftige Pflaster auflegen, Wunden versorgen, Brüche richten und Zähne herausreißen - darin bestand die Tätigkeit des Baders im 19. Jahrhundert. Doch der Beruf des Baders hat eine traditionsreiche Geschichte. Schon im Mittelalter hatte jede Ortschaft von einiger Bedeutung ein öffentliches Badehaus. Zumeist war es in gemeindlichem oder geistlichem Besitz und wurde von einem Bader bewirtschaftet.

Seit alters galten die Badstuben zugleich aber auch als die “Herbergen der Leichtfertigkeit”, was allerdings auf die heidnischen und antiken Ursprünge des rituellen gemeinsamen Bades zurückgeht. Man sagte den Badern auch eine Reihe von Unarten nach, etwa dass sie zur Trunksucht neigten oder zur Geschwätzigkeit. Im Gegensatz zum Barbier, der häufig etwas ganz ähnliches tat, nicht aber an seine Scherstube gebunden war, durfte der Bader seine Tätigkeit nur in der Badstube ausüben.

Doch bald entwickelte sich dieser Beruf in Ermangelung der alten Örtlichkeiten immer mehr zu einer Art ländlichem Volksarzt zweiter Klasse. Wenn er geschickt war, machte er den ausgebildeten Wundärzten unliebsame Konkurrenz. Der Bader behandelte Brüche und Verrenkungen, kurierte Wunden und Geschwüre und schiente die gebrochenen Glieder. Er setzte Schröpfköpfe und nahm den Aderlaß vor, der nach dem medizinischen Verständnis der Zeit so etwas wie eine Art körperlicher Reinigung war, die Befreiung des Leibes von verdorbenen Säften und Körperdünsten. Der Bader besah auch Aussätzige und Erschlagene und versorgte die Leichen. Für ihre Ausbildung gab es noch keine Schulen, sie erlernten ihren Beruf von einander wie ein Handwerk. Die besseren unter ihnen nannten sich bald Chyrurgus (vom griech. = Handwerk) und in stetiger Kleinarbeit verbesserten sie ihr Ansehen. 1548 erhielten die Bader das Recht, sich in Zünften zusammenzuschließen, die Badergerechtigkeit war an den Besitz eines Badehauses gebunden. Gewerbefreiheit im heutigen Sinn gab es nicht. Neben den wenigen studierten Ärzten bildeten im späten Mittelalter die Bader, Scherer, Wundärzte, Handwerkschirurgen und Hebammen den Hauptanteil der Heilpersonen vor allem der armen Bevölkerung in Stadt und Land. Mit dem Aufkommen promovierter Mediziner begann ein Zurückdrängen der Bader. Es wurde ihnen untersagt, innere Krankheiten zu behandeln und stark wirksame Medikamente einzusetzen.

nach oben

Das Baderhaus

Wappen Badergerechtigkeit, Brotverkaufs- und Schankrecht
Wappen am Gasthof Alpenrose

„Das Wappen über dem Eingang zum alten Wirt in Grainbach bringt auf seinem Schilde zwei Schüsseln als Abzeichen der Badergerechtsame. Lange Zeit mag von diesem Hause aus der Lebensquell für die Bewohner des Berges geflossen sein.“ (Josef Dürnegger)

Das frühere Mesnerhaus, später Badergütl, gehörte zur Grundherrschaft der Kirche Grainbach. Im Mittelalter bis in das 19. Jahrhundert waren die Bauern und einfachen Leute zwar „Besitzer“ der Höfe und Häuser, Eigentümer aber waren die Grundherrschaften, denen sie Abgaben zu leisten hatten. Die Höhe dieser Abgaben, meistens Naturalien (Gült) und eine Geldgabe (Stift) war in den Stifts- oder Salbüchern festgelegt.

Unser Urahn Simon Schmid erhielt das Haus, auf dem eine uralte Baders- und Webersgerechtigkeit lag, am Tag seiner Hochzeit mit Elisabeth Ertl am 06.02.1668. Diese hatte es von ihrem ersten Ehemann, Christoph Ertl, geerbt. Nachdem das Haus mehrere Generationen genau 200 Jahre lang im Besitz der Baderfamilie Schmid war, wurde es von Josef Schmid, dem letzten Bader in Grainbach, 1668 an Georg Wörndl von Ruckerting verkauft. In deren Familienbesitz blieb es bis heute; früher als Wörndl Wirtschaft, heute beherbergt es den Gasthof Alpenrose.

nach oben

Übersicht der folgenden Generationen

Christoph Schmid (Mesner und Bader)
  *28.06.1668, +05.10.1747 oo 27.02.1702 Catharina Wöber von Kohlgrub
Simon Schmid (Mesner, Baader und Wundarzt)
  *01.01.1705, +04.05.1785 oo 14.02.1729 Maria Wimmer vom Hax
Josef Schmid (Mesner, Bader, Wirt, Weber)
  *06.04.1742, +22.07.1814 oo 06.02.1776 Elisabeth Rech v. Groß aus Schadhub
Simon Schmid (Mesner, Bader, Chirurg u. Geburtshelfer)
  *30.12.1780, +12.07.1832 oo 22.02.1808 Anna Angerer a.d. Lederstube
Paul Schmid (Chirurg und Bader)
  *10.04.1829, +10.03.1902 oo 15.02.1865 Theres Romeder, Tagelöhnertochter aus Erharting

nach oben

Simon Schmid von Grainbach und Michael Gradl von Törwang saßen 1752 wegen einer "todsgefährlichen Schlägerei", verübt am Gerichtsamtmann, in Haft. (Rieder)

V. Generation: Simon Schmid

Simon Schmid wurde am 30.12.1780 als Sohn von Josef Schmid und Elisabeth Rech v. Groß aus Schadhub geboren. Er heiratete am 22.02.1808 Anna Angerer a.d. Lederstube und hatte mit ihr 12 Kinder. In den Büchern ist er als ein „beliebter Chirurg oder Bader“ genannt und als „Helfer in Leibesnöten überall willkommen gewesen“ (Dürnegger). Viele alte Leute aber zogen es vor, zu sterben, ohne jemals einen Arzt konsultiert zu haben.

Aus einer Archivalie geht hervor, dass 1815 „8 Tagwerk und 11 Tagwerk Wald“ zum Badergütl gehörten (Rieder). Damals waren 1 Tagwerk 3407 qm, d.h. Simon Schmid hatte knapp 3 ha Land und 4 ha Wald zu bewirtschaften.

Die Kinder von Simon Schmid (aus dem Kirchenbuch):

Georg22.06.1810
Theresia24.04.1812
Maria12.01.1815
Elisabeth08.08.1816
Simon12.04.1818
Ursula26.07.1820
Anton02.05.1821
Joseph04.07.1823
Johann Baptist28.01.1825
Peter01.07.1822
Paul10.04.1829
Monica01.04.1831
Foto vom Familienbuch von Simon und Anna Schmid
Familienbuch von Simon Schmid und Anna Angerer

Bemerkenswert für den Anfang des 19. Jahrhunderts ist sicherlich, dass trotz allgemein hoher Kindersterblichkeit (in manchen Jahren nahezu die Hälfte aller Sterbefälle) von den 12 Kindern keines im Kindesalter verstorben ist. Soweit aus dem Kirchenbuch zu entnehmen, erreichten alle das Erwachsenenalter.

nach oben


VI. Generation: Paul Schmid

Von der Baderei zum Kneippheilbad

Paul Schmid wurde am 10.04.1829 geboren als Sohn der Baderseheleute Simon und Anna Schmid in Grainbach.
In der Rohrdorfer Chronik ist nachzulesen, dass im 18. Jahrhundert erstmals ein Baderanwesen in Höhenmoos genannt wird. Im Kataster 1815 ist ein Valentin Pitzer als dessen Besitzer eingetragen. Nach einigen Besitzwechseln – den Landarztfamilien Keller und Brandmaier - fragte der Badergeselle Otto Pitzner aus Benediktbeuren am 16.01.1864 bei der Gemeinde Höhenmoos an, hier seinen Beruf ausüben zu dürfen. Er ist am 12.12.1863 durch Schenkung in den Besitz des Realen Badereirechtes gekommen. Pitzer hat die Baderei jedoch nicht ausgeübt, sondern an Badersohn Paul Schmid aus Grainbach verpachtet.

1851 diente Schmid als Soldat im 2. Infantrieregiment Kronprinz. Dort wurde er mit dem „Ausdruck der vollkommenen Zufriedenheit“ als Krankenwärter im Militärkurkrankenhaus in München eingesetzt.
1858 führte er in Soyen das Badergeschäft für die Baderswitwe Steinhauser. Ein Jahr später war er in österreichischem Dienst und behandelte die österreichischen Verwundeten im Spital Serbitenkloser in Innsbuck und im Feldspital in Verona und Rotholz. 1863 bis 1864 übte er das Badergeschäft in Erharting aus. Diese Gemeinde rühmte an ihm seine „vorzügliche Geschicklichkeit und ausdauernden Fleiß“.

1864 war er im Krieg in Schleswig Holstein bei der Erstürmung der Düppeler Schanzen im Einsatz. Vom Felddienst zurückgekehrt, siedelte er sich noch im gleichen Jahr in Höhenmoos an und erwarb das Hasengütl, da sein Bruder Josef Schmid das Baderhaus in Grainbach erbte. Ende 1864 nahm er in Höhenmoos seine Tätigkeit als Bader auf.

Am 15.02.1865 heiratete er Theres Romeder, eine Taglöhnertochter von Erharting. Mit ihr hatte er sieben Kinder:

Die Kinder von Paul Schmid und Theres Romeder

Theresia(21.01.1866 - 27.01.1942)
Paulus(22.08.1867 - 08.09.1867)
Liesbet(13.10.1868 - 29.09.1951)
Paulus(25.12.1869 - 17.12.1937)
Anna(25.04.1871 - unbekannt)
Johanna(15.06.1872 - 16.11.1872)
Petrus(17.02.1875 - unbekannt)
Foto von Bader Paul Schmid
Bader Paul Schmid
(1829 - 1902)

1867/1868 baute er in Höhenmoos ein Haus in Kirchennähe „beim Paul“.

Schmid hatte bald das Vertrauen aller Heilungsbedürftigen und ward der Doktor des Samerbergs und der Umgebung weit und breit. Er hatte wöchentlich seine Amtstage in Rosenheim und Aschau und hat sich in Höhenmoos eine kleine Anstalt zur Ausübung seiner Wasserkunde nach Pfarrer Kneipp gegründet, schrieb Pfarrer Dürnegger. Er war ein Anhänger der Naturheilkunde und „seine Erfolge waren oft überraschend und bewirkten einen großen Zustrom zu seiner … Kuranstalt in Höhenmoos.“ Auch als Schneidknecht und Wundarzt hatte er viel Glück, er bewies bei Beinbruch und Aderlass ausnehmendes Geschick. Über 30 Jahre wirkte Bader Paul Schmid in Höhenmoos und war sehr beliebt bei seinen vielen Patienten wegen seiner Heilkunst und seines volkstümlichen Verhaltens. Eine Eingabe der Gemeinden Schlezfeld und Rechtmehring aus dem Jahre 1860 rühmt ihn als „Mitchrist, Nachbar und Freund mit dem gemeinen Manne und als geschickter und braver Bader eines der nützlichsten und notwendigsten Glieder des Volkes.“ Laut Chronik hat er auf jedes Gläschen die drei Buchstaben „D. H. G.“ geschrieben, „Durch Hilfe Gottes“ – etwa das Geheimnis seines großen Erfolgs als Bader?

Wie Dürnegger feststellt, hatte er jedoch auch viele Neider, wohl Konkurrenten, die ihm seine Beliebtheit und Erfolge nicht gönnten und daher auch mehrere Auseinandersetzungen mit den Behörden. Die „Königliche Regierung von Oberbayern“ antwortete ihm am 28.02.1865 auf seine Anfrage nach mehr Befugnissen „… dass die von ihm nachgesuchten Befugnisse ausschließlich nur wissenschaftlichen gebildeten und promovierten Ärzten zustehen … er unbefugt bisher in ausgedehntem Maße Praxis geübt und vielfach den ihm erlaubten Wirkungskreis überschritten hat, so ist ihm solche fortan aufs strengste zu untersagen…“ 1893 wird in einer Inspektion des Kgl. Bezirksamtes Rosenheim festgestellt, dass Bader Schmid in Höhenmoos „eine primitive Wasserheilanstalt nach Kneipp“ eingerichtet habe und „Patienten ohne jegliche ärztliche Respizienz“ behandele. Die Auseinandersetzungen mit den Behörden sind schon Zeichen der allmählichen Zurückdrängung der Baderzunft durch studierte Mediziner. Noch heute gibt es die Gegensätze zwischen Schulmedizin und praktischer Naturheilkunde, wobei heute schon wieder ein Trend zur Rückbesinnung auf die Naturheilunde zu erkennen ist und diese unterstützend oder dort eingesetzt wird, wo die Schulmedizin nicht hilft.

Paul Schmid starb am 10.03.1902 mit 73 Jahren in Höhenmoos.

VII. Generation: Paul Schmid

Sein Sohn Paul Schmid wurde am 25.12.1869 in Höhenmoos geboren und heiratete am 17.10.1899 die Wirtstochter Maria Beischl aus Margarethenried. Dann zog er wegen Unstimmigkeiten mit seinem Vater nach Taufkirchen, wo seine ersten beiden Kinder geboren wurden. Nach dem Tod seines Vaters 1902 bezog er das Haus in Höhenmoos und übernahm die Baderei. Aber auch er hatte Auseinandersetzungen mit den Behörden wegen Überschreitungen seiner Befugnisse. Leider starb seine Frau Maria bei der Geburt des achten Kindes mit 35 Jahren sehr früh und er mußte seine sieben minderjährigen Kinder allein aufziehen. Er starb 1937 in Höhenmoos, wobei die Grabrede ihn als "guten Christ, der viel Gutes im Leben tat", auszeichnete.

Foto von Paul Schmid
Paul Schmid
1869 - 1937
Foto von Maria Schmid
Maria Schmid, geb. Beischl
1875 - 1910

Jedes Jahr ein Kind: Paul und Maria Schmid

Maria10.01.1901
Theresia17.02.1902
Elisabeth03.05.1903
Paul16.07.1904
Anna30.09.1905
Johann13.04.1907
Peter04.07.1908
Familienfoto Baderfamilie Schmid
Aufnahme entstand 1909/1910

VIII. Generation: Paul und Theresia Schmid

Hier trennen sich nun die Nachkommenlinien der berühmten Baderfamilie in meine Großeltern und andere noch lebende Verwandte: Während der Sohn von Paul Schmid, auch Paul Schmid *16.07.1904, Elisabeth Birner heiratete und im Haus in Höhenmoos blieb, heiratete seine Schwester Theresia, meine Großmutter, ihren Cousin Michael Eder aus St. Alban und zog mit ihm dorthin.

Hochzeitsfoto Theresia und Michael Eder
Hochzeitsfoto meiner Großeltern Theresia und Michael Eder

Quellen

Breitrainer, Konrad: Heimatbuch und Festschrift der Gebirgsschützenkompanie Hofmark Söllhuben, Rohrdorf 1985
Dürnegger, Josef: Der Samerberg in Vergangenheit und Gegenwart, Samerberg 1929
Dürnegger, Josef: Rohrdorf einst und jetzt, Rosenheim 1913
Rieder, Josef: Rossoltesperg, Samerberg - Beiträge zu seiner Geschichte, Samerberg 1988
Riedler, Hans: Rohrdorf - eine Ortsgeschichte, Rohrdorf 1997
Trachtenverein Hochries-Samerberg e.V.: Presseinformation vom 03.08.2004

Mutmaßungen über die Herkunft v. Simon Schmid

Vom ersten Schmid-Vorfahren Simon wissen wir, dass er Mesner und Weber war, aus Söllhuben stammte, 1668 heiratete und 1704, "als er nicht mehr der jüngste war", ermordet wurde. Leider ist uns sein Geburtsdatum nicht bekannt, denn hier verliert sich die Spur. Aus der Beschreibung der Untertanen der Hofmark Söllhuben vom 30.1.1702 (S. 124ff) erfahren wir aber: "Wolf Schmidt Müsner und zugleich Weber, 32 Jahr alt, besitzt das Müßner heisl zu ermeltem Sölhueben, und zum Pfarrgotshauß aldahin Stifftbar, in die 60 fl. schuldig, hat weder Vormundt: noch Porgschafften, sonsten aber nur 2 Minder Jehrige Stiefsöhn, ist keinem Landtfahnen einverleibt." Dies ist nun zwar nicht unser Simon; er kann es auch nicht sein, denn er wurde ja erst so um 1670 herum geboren, aber da er Mesner und Weber war, stammt er mit großer Wahrscheinlichkeit aus derselben Familie!

Im Heimatbuch und Festschrift der Gebirgsschützenkompanie Hofmark Söllhuben finden sich noch folgende Einträge: In einem Musterregister vom 8.3.1605 ist ein "Simon Schmidteufel zu Sölhueben mit gepreüchiger Bewehrung" genannt. Weiterhin ist in einem Mannschaftsbüechel der Hofmarch Selhueben von 1560 ein "Jörig schmidt trüffl" vermerkt. Diese könnten Vorfahren von Simon Schmid gewesen sein... hier gibt es noch Potential für weitere Forschungen ...

nach oben