Historische Stätten in der Wetterau

Kennen Sie auch das erhebende Gefühl, sich vorzustellen, welche Geschichten und Schicksale historische Stätten schon vor Jahrhunderten erlebt haben? Mich fasziniert die Mystik und das Geheimnisvolle historischer Stätten und Gemäuer, auch wenn die Lebensbedingungen der Vergangenheit, wie wir heute wissen, alles andere als angenehm und bequem waren. Trotzdem wahren solche Stätten ein Geheimnis - auch wenn es nur das der Geschichte ist - und sind von einem geheimnisvollen Zauber umgeben ...

In einem Forum las ich den Begriff "Kraftorte"; genau das sind sie: Orte, die Schicksale sahen oder entschieden und heute oft unter einem Schleier von Vergessen, Unwissenheit oder Gleichgültigkeit ruhen.

Das Freigericht in Kaichen

Das Gericht in Kaichen gehörte früher keinem Herrschaftsbereich an, deshalb wurde es Freigericht genannt. Auf dem Hinweisschild neben dem Freigericht ist folgendes vermerkt:

"Gerichtsstätte der 1293 erstmals schriftlich erwähnten "Grafschaft" Kaichen. Zur Grafschaft gehörten unter anderem die Ortschaften Kaichen, Heldenbergen, Büdesheim, Rendel, Groß- und Kleinkarben, Okarben, Hülshofen, Kloppenheim, Ilbenstadt, Altenstadt, Oberau und Rommelshausen sowie die Burgen Höchst, Assenheim, Dorfelden und Naumburg. Der Schutz der "Grafschaft" oblag der Reichsburg Friedberg.

Die Grafschaft hatte einen reichsunmittelbaren Status. Die Gerichtsbarkeit wurde im Namen des Königs ausgeübt. Das "freie Gericht" war ein Blutgericht, das sich mit Verbrechen befaßte, die nur durch den Tod des Angeklagten gesühnt werden konnten. Es war außerdem ein Berufungsgericht. Das Gericht der "Grafschaft" tagte meist zu Pfingsten unter freiem Himmel.

Auf dem Gerichtsplatz sind eine hufeisenförmige Steinbank, der ebenfalls steinerne Gerichtstisch und eine Plinthe mit Säulenbasis erhalten. Die Gerichtsstätte ist von einer Baumgruppe mit Linde umgeben.

Als Zeugnis der mittelalterlichen Rechtsverfassung zählt das Freigericht Kaichen zu den bedeutenden Denkmalen der Wetterau."

Das Freigericht in Kaichen

Die alte Brücke in Ortenberg

Wie viele Händler, Reisende und Pilger wohl schon über diese alte Brücke die Nidder überquert haben mögen? Sie ist so schmal, dass sie für Fuhrwerke nicht geeignet war ...

Die alte Brücke in Ortenberg

Die Schafskirche in Lißberg

Die Ruine der alten Kapelle liegt nah einer Anhäufung auf vorgeschichtlichen Ursprung hinweisender Namen wie Wildfrauengestühl, Frauenberg und Brand und an einem uralten Straßenverlauf über den Vogelsberg, der Hohen Straße.

Sie wird oft mit dem Leichenzug des Bonifatius 754 von Mainz nach Fulda in Zusammenhang gebracht, der auf der Hohen Straße möglicherweise dort eine Rast machte und weiterzog. Die Schafskirche war 754 noch nicht vorhanden, aber an den Raststätten des Leichenzugs wurden später oftmals Kapellen errichtet.

Die Schafskirche in Lißberg

Der Galgen in Münzenberg

Südwestlich von Münzenberg steht innerhalb dieser Gemarkung der Galgen, eine in dieser Form einzigartige historische Gerichtsstätte in der Wetterau. Der Galgen stammt aus dem 15. Jahrhundert und hat der Flurbezeichnung "am Galgen" ihren Namen gegeben. Er besteht aus zwei aus Bruchsteinen gemauerten Säulen, die im Sockel rechteckig, nach oben sechseckig sind und wurde um 1800 zum letzten Mal genutzt. Ein hölzerner Querträger ist in neuerer Zeit wieder eingefügt worden.

Der Galgen in Münzenberg

Der verwunschene jüdische Friedhof in Obbornhofen

Foto folgt

Quellen

Riebeling, Heinrich: Historische Rechtsmale in Hessen, 1988