Die Schlosserfamilie Voith

Meine Ahnenfrau, die Tochter des Schlossermeisters Johann Voith aus Heidenheim, Ernestine Catharine Voith (*26.10.1827 +05.06.1884), heiratete am 15.08.1848 den Rothgerbermeister Johann Mathäus Wiedenmann aus Heidenheim. Sie war die Schwester des Heidenheimer Schlossermeisters Johann Matthäus Voith, dessen Sohn der Maschinenfabrikant Friedrich Voith wurde.

Die Voiths übten über mehr als 12 Generationen das Schlosserhandwerk aus. Die ältesten Vorfahren stammten aus Stuttgart-Cannstatt und hatten schon früh städtische Ehrenämter inne. Sie waren Vogte und Ratsherren in Stuttgart. Während des 30jährigen Krieges waren sie als Schlosser in Aalen ansässig, bevor Schlossermeister Benjamin Voith (*Jun. 1696 zu Aalen +23.2.1742) Anfang des 18. Jahrhunderts nach Heidenheim übersiedelte. In den Kirchenbüchern läßt sich der Name Voith als einer der ältesten Heidenheims über zwei Jahrhunderte bis zu ihm zurückführen.

Die Familie Voith wohnte in Heidenheim in der Hinteren Gasse und betrieb das Schlosserhandwerk wie ihre Vorfahren. 1822 erwarb Johannes Caspar Voith (*05.11.1773 +23.10.1825), Schlosser zu Heidenheim, die Lohmühle an der Brenz. Sein Sohn Johann Matthäus Voith (*29.04.1803 +22.04.1874) übernahm 1825 die mechanische Werkstatt seines Vaters mit fünf Arbeitern und legte mit der Beteiligung am Bau einer Papiermaschine für die Papiermühle Rau und Voelter in Heidenheim und dem Bau der ersten Holzschleiferei-Maschine den Grundstein für die Maschinenfabrik Voith. Sein Sohn Friedrich führte das Geschäft seines Vaters erfolgreich fort und erlangte als Großindustrieller mit der Firma J.M. Voith internationalen Erfolg im Maschinen- und Turbinenbau.

Das uneheliche Kind des Voith aus Heidenheim

Meine Urgroßmutter Anna Ernestine Sieber, geb. Wiedenmann, (*23.03.1879 +03.11.1918) wurde in Heidenheim unehelich geboren, denn auf der Geburtsurkunde ist kein Vater angegeben. Meine Großmutter Lina erzählte immer, dass der Vater ein Voith aus Heidenheim gewesen sei, der zwar seine Tochter nicht anerkannte, aber ihr und ihrem Ehemann mit einer stattlichen Mitgift den Bau eines eigenen Hauses in Radolfzell am Bodensee ermöglichte.

Denn die Familie Voith aus Heidenheim war reich; sie gründete die heutige Voith AG, ein weltweit führendes Familienunternehmen im Papiermaschinen-, Turbinen-, Generatoren - und Antriebselementebau.
Der Schlossermeister Johann Matthäus Voith übernahm 1825 die Mechanische Werkstatt des Vaters und baute sie zur "Mechanischen Werkstätte und Eisengießerei" aus. Indem er erste Papiermaschinen, Pumpen und Wasserturbinen konstruierte, schrieb er Technikgeschichte. Bald wurde das Unternehmen zur Maschinenfabik ausgebaut: Der 1. Januar 1867 ist offizieller Gründungstag der Firma J.M. Voith mit den Produktbereichen Papiermaschinen und Stofftechnik. Einzelheiten zur Firmengeschichte sind auf deren Webseite unter www.voith.com nachzulesen.

Als Vater meiner Urgroßmutter Anna Ernestine kommt nach meinen Recherchen altersmäßig nur der Sohn des Firmengründers, Friedrich Voith (1840-1913), in Frage. Wahrscheinlich war sie das Ergebnis eines Seitensprungs, denn Friedrich hatte selbst drei Söhne, die später die Maschinenfabrik weiterführten. Vielleicht war Annas Mutter, Katharine Wiedenmann aus Heidenheim, auch nicht standesgemäß, denn sie stammte "nur" aus einer alten Heidenheimer Gerberfamilie, die dort immerhin das (eigene) Schuhgeschäft Wiedenmann besaß...

Die Voiths in der Wappenrolle Dochtermann

In der Wappenrolle Dochtermann von 1959 werden die Voith aus Heidenheim zurückverfolgt bis zu Hanns Vaut, Ratsherr zu Stuttgart, um 1387 und seinen Nachkommen, Cannstatter Vogten ... (Leider ist der Auszug noch nicht ganz vollständig)

"Die in Heidenheim an der Brenz ansässige Familie Voith gehört mit zu den ältesten bürgerlichen Geschlechtern Schwabens. Im Raum Stuttgart-Cannstatt beheimatet, nimmt sie schon früh einen bevorzugten Platz in den Reihen der altwürttembergischen Ehrbarkeit ein.

Ihr ältester Ahnherr ist Hanns Vaut, * vor 1387, Ratsherr zu Stuttgart und Vater des um 1407 geborenen Zussenhauser Schultheißen Johann Voyt, genannt "zum Stok", der zeitweise auch als Johann Vaut unter der gleichen Bezeichnung "zum Stok" erscheint. Der Name, der sich im Laufe der Jahrhunderte vielfach gewandelt hat, ist in seinem Kern lateinischen Ursprungs. Von advocatus kommend - mittelhochdeutsch voget, faut, vogt und voit - bedeutet er in seiner Übersetzung soviel wie Sachverwalter, Vertrauensmann, auch Schirmherr und Beschützer.
Daß die Familie mindestens schon zur Zeit des Cannstatter Vogts Conrad Voyt (ca. 1450 - 1517) wappenführend gewesen ist, beweist das Grabdenkmal seiner am 14. Dezember 1557 gestorbenen Tochter Margarethe (IV, 7) und ihres Mannes zweiter Ehe… Dieser Conrad Voyt (III, 4, -> ca. 1450), der Bürgermeister und spätere Cannstatter Vogt, der drittälteste Sohn des Schultheißen Johann Vaut genannt "zum Stok", verfiel der Rache des unbeherrschten und in höchstem Maße argwöhnischen und mißtrauischen Herzogs Ulrich von Württemberg, nachdem dieser den wehrlosen von Hutten am 8. Mai 1515 bei einer Jagd im Böblinger Forst hinterrücks erschlagen hatte. In der irrigen Meinung, daß der Vogt Conrad Vaut und drei andere angesehene Mitglieder der Ehrbarkeit ihn, den Herzog, beim Kaiser in Wien wegen seiner gegen diesen geplanten Rebellion angeklagt habe, machte Ulrich ihnen den Prozeß. Auf Grund des ihnen unter Druck der Folter abgepreßten, jedoch unzutreffenden Geständnisses ließ der Herzog Conrad Vaut und seinen Freund, den ehemaligen Weinsberger Vogt, Sebastian Breuning, wie Verbrecher und Landesverräter auf öffentlichem Marktplatz in Stuttgart am 11. Dezember 1516 vierteilen. Am nächsten Tage fiel auch das Haupt Conrad Breunings, des treuesten Ratgebers, den der Herzog jemals gehabt hatte. Es war ein Justizmord ohne gleichen, der nur diktiert war von der schrankenlosen Willkür Ulrichs. Erst die Geschichte hat diese drei Gerichteten mit aller Deutlichkeit des Hochverrats freigesprochen und sie als Ehrenmänner rehabilitiert.

Seit dieser Zeit sind die Nachfahren des Conrad Voit so eng mit dem österreichischen und tiroler Adel verwandt, so daß man geradezu von einer Durchdringung der alten österreichischen Geschlechter mit voit'schem Blut sprechen kann - eine Tatsache, die durch zahleiche genealogische Tafeln immer wieder bewiesen wird. Daß es nicht das schlechteste Blut gewesen ist, hat die Geschichte vielfach bestätigt! Allein fünf Söhne des unglücklichen Vogts standen in kaiserlichen Diensten: Dr. JU Johann(es) Voit, der Kaiserl. Rat, Dr. JU Heinrich Vom, Kaiserl. Kammergerichtsassessor und Erhard Voit, Hofschier bei König Ferdinand. Ihre beiden Brüder Sebastian und Jakob Voit kämpften als Soldaten unter Habsburger Fahnen. Auch von Erhard Voit, dem Abt von Kremsmünster (1571-1588), wird ausdrücklich bezeugt, daß er aus einem "adeligen Geschlecht von Cannstatt" stammte.

... So beschloß er, Schlosser zu werden und die Lücken im Handwerkerstand auszufüllen, die der Tod gerissen hatte. Bald stand er in Aalen am Amboß und am Schraubstock.
Fünfmal hat er den Lederschurz auf seine Nachfolger und Enkel vererbt. Als er am 14. November 1686 die müden Augen zur letzten Ruhe schloß, standen drei Söhne trauernd an seiner Bahre. Selbstverständlich, dass auch sie gleich dem Vater Schlosser geworden waren!

Rasch hatten sich die Voiths das Vertrauen ihrer Aalener Mitbürger erworben. Johann Caspar Voith (VIII, 3), der Sohn des alten Caspars, hatte als Ratsherr seiner Heimatstadt ein gar gewichtig Wort im Stadtparlament mitzureden. Noch mehr aber steigerte sich sein Einfluß, als er sich am 08. Juni 1675 mit Sybilla, der Tochter des Aalener Ratsverwandten Mathias Blümlein verheiratete. Aus dieser Ehe entsprossen elf Kinder, vier Mädel und sieben Söhne. Von zweien seiner Söhne ist überliefert, daß sie den Beruf ihres Vaters ergriffen. Der ältere, der am 23. Oktober 1678 geborene Caspar, ... verstarb nach dem Nürnberger Totenregister "Sanct Lorenz" während seiner Wanderjahre am 11. Juli 1701 auf der Herberge "zur Nosen" in Nürnberg. Benjamin Voith (IX, 12), der jüngste unter seinen Geschwistern, verzog nach Heidenheim. Er ist der Stammvater aller seiner in Heidenheim geborenen Nachfahren und der Ururgroßvater des späteren Geheimen Kommerzienrats und Ehrenbürgers der Stadt Heidenheim, Dr. Ing. e.h. Friedrich von Voith, des Gründers der Maschinenfabrik J.M. Voith GmbH in Heidenheim an der Brenz.

... (1698-1742) sich in Heidenheim niederließ, ist der Name seines Geschlechts aufs engste mit der Geschichte der dortigen Schlosser-Zunft verknüpft. Vier Generationen sind in ihr vertreten. Neben dem Vater stehen die beiden Söhne Johann Caspar (1723-1811) und Johannes (1725-1806) am Amboß. Der ältere von ihnen bekleidete in der städtischen Verwaltung das Ehrenamt eines ...

Sein jüngerer Bruder Johannes verheiratete sich am 26. Oktober 1756 mit Susanne Elisabethe Moser, Tochter des Weißgerbermeisters Christian Moser, die ihm in 50-jähriger Ehe sieben Kinder schenkt, fünf Mädel und zwei Buben, Johann Caspar (1760-1814) und Johannes (1773-1825), der später das heute noch in der Nähe der alten Stadtkirche stehende Haus in der Hinteren Gasse erwirbt, worin er wohnte und im Erdgeschoß sein ehrbares Handwerk ausübte; denn auch er ist gleich seinem Bruder wieder ein zünftiger Schlossermeister. Als er am 23. September 1825 verstirbt, hat er in seinem Sohn Johann Matthäus (1803-1874) zwar einen würdigen Nachfolger, aber das Schicksal versagt ihm, Zeuge seiner Erfolge zu werden.

Johann Matthäus Voith war damals beim Tode seines Vaters gerade 22 1/2 Jahre alt. Neben der Werkstatt des Verstorbenen, in der er unter Anleitung des Vaters gelernt hatte, ehe er nach altem Brauch quer durch Deutschland auf die Wanderschaft zog, hatte er auch das Amt des ... der Stadt übernommen, das sein Vater vor ihm lange Jahre bekleidete. Johann Matthäus war ein ..."

Quelle: Dochtermann, Alfred: Wappen-Archiv Dochtermann, 1959 - Seiten 254-260

Adelsbrief und Wappen der Voyt

1532 wurde Vaut, oder wie er sich in Augsburg schrieb, Voyt (Voit, Foit), in Anerkennung seiner vielfachen und großen Verdienste in Krieg und Frieden zusammen mit seinen Brüdern Erhard, Friedrich, Sebastian, Heinrich und Jakob von König Ferdinand in den Adelsstand erhoben. Der Adelsbrief besagt in langatmigen Ausführungen, dass er ausgestellt sei für den "ersamen, gelerten vnseren getrewen lieben Johan Voyten, beder Rechten Doctor, unsern Rat und seine Eelichen und leyblichen gebrueder mit namen ..."

"Zu einer sondern merung und offenbaren erkanntnus solches Ihres Adenlichen Stands und wirden haben wir Inen Ir Erblichwappen mit namen ain Schiltt darynn von unden bis in die zwei obern hindern und vorder Egg ain gelber oder goldfarber Sparren woelchs unden plaw oder lassurfarb und obertail des Schillts zwischen dem Sparren rot oder lassurfarber und rotter oder rubinfarber hellm degken, drauf ain vordertail aines halben Bern seiner natuerlichen farb mit seinen fuessen ueber sich zum klym erschinend, habend an seinem Hals ain gelbs oder golldfarbs hallsspand mit ainem gelben oder goldfarben Ring und rotter ausgeschlagner Zungen So Sy byssher gebraucht und gefuert haben, confirmiert und bestett und den bestimmten Hellm in ainen Turniershellm, darauf ain guldine Coron, daraus entsprichend der Ber allermassen wie obgemelt gnedigklich verkert, geziert und gebessert"

Quelle: Lauxmann, Richard: Konrad Vaut, der Vogt von Cannstatt, ein schwäbischer Ahnherr, Schriften des Vereins für Württembergische Familienkunde, 1930

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