Mein schwäbischer Ahnherr Conrad Vaut, der Vogt von Cannstatt

Einer meiner Ahnherrn war Johann(es) Vaut, genannt "zum Stock", der Schultheiss von Zuffenhausen (ca. 1407-1490), der mit Elisabetha von Plieningen verheiratet war. Auf das Ehepaar Vaut und v. Plieningen können sich sehr viele Württemberger zurückführen. Es ist wahrscheinlich das am häufigsten vorkommende Stammelternpaar unter den aus Faber bekannten Geschlechtern.Bekannter noch als der Vater war aber dessen Sohn Conrad Vaut, der 1516 als Vogt von Cannstatt zusammen mit den Vögten von Tübingen und Weinsberg, den Brüdern Conrad und Sebastian Breuning, auf dem Marktplatz in Stuttgart hingerichtet wurde, weil sie die Absetzung Herzog Ulrichs von Württemberg betrieben haben sollen.

Herzog Ulrich ermordet Hans von Hutten

Der Cannstatter Vogt Conrad Vaut verfiel der Rache des unbeherrschten und in höchstem Maße argwöhnischen und mißtrauischen Herzogs Ulrich von Württemberg, nachdem dieser seinen Stallmeister von Hutten am 8. Mai 1515 bei einer Jagd im Böblinger Forst aus Eifersucht hinterrücks erschlagen hatte.

In der Annahme, daß der Vogt Conrad Vaut und zwei andere angesehene Mitglieder der Stuttgarter Ehrbarkeit ihn, den Herzog, beim Kaiser in Wien wegen seiner gegen diesen geplanten Rebellion angeklagt habe, machte Ulrich ihnen den Prozeß. Aufgrund des ihnen unter Druck der Folter abgepreßten, jedoch unzutreffenden Geständnisses ließ der Herzog Conrad Vaut und seinen Freund, den ehemaligen Weinsberger Vogt, Sebastian Breuning, wie Verbrecher und Landesverräter am 11. Dezember 1516 auf dem Marktplatz in Stuttgart öffentlich enthaupten und vierteilen. Am nächsten Tage folgte ihnen auch dessen Bruder Conrad Breuning in den Tod, der treueste Ratgeber, den der Herzog jemals gehabt hatte.

Dieser Justizmord wurde nur von der schrankenlosen Willkür Ulrichs diktiert. Erst die Geschichte hat diese drei Gerichteten mit aller Deutlichkeit des Hochverrats freigesprochen und sie als Ehrenmänner rehabilitiert.

Angeblich stammt Conrad Vaut von den Cannstatter Vögten von Brye und den Rittern von Plieningen ab. Beide Geschlechter sind jedoch im Spätmittelalter bzw. der frühen Neuzeit im Mannesstamm ausgestorben.

Stammtafel zu Conrad Vaut, dem Vogt von Cannstatt

1 Conrad Vaut 1300 -
2 Hans Vaut 1340 - 1402
3 Conrad Vaut 1370 -
4 Hans Vaut (zum Stock)1396 - 1464
    oo N.N. Precklin
5 Johann Vaut (zum Stock) 1407 - 1490
    oo Elisabetha von Plieningen 1419 -
6 Conrad Vaut 1446 - 1516
    oo 1. Katharine Trautwein
    oo 2. Barbara von Echterdingen 1470 -
7 Friedrich Voit 1494 -
8 Jörg Friedrich Voit 1537 -
9 Erhard Voit 1578 -
    oo Maria Kercher
10 Caspar Voit 1618 - 1680
    oo Ursula N.N.
11 Johann Caspar Voit 1654 - 1713
    oo Sybilla Blümlein - 1699
12 Benjamin Voit 1696 - 1742
    oo N.N.
13 Johannes Voit 1725 - 1806
    oo Susanne Elisabeth Moser - 1809
14 Johannes Voith 1773 - 1825
    oo Anna Ursula Moser 1770 - 1833
15 Johanne Catharine Voith 1802 - 1840
    oo Friedrich Straub
16 Ernestine Catharine Voith 1827 - 1884
    oo Johann Mathäus Wiedenmann 1821 - 1887
17 Katharine Wiedenmann 1857 - 1888
    oo Franz Brodwurm
18 Anna Ernestine Wiedenmann 1879 - 1918
    oo Jakob Sieber 1883 - 1929
19 Lina Emilie Sieber 1907 - 1988
    oo Karl Schmid 1902 - 1966
20 Manfred Karl Schmid 1938 - 1984

Die Nachkommen Vauts in Aalen und Heidenheim waren über Generationen zünftige Schlossermeister. Mehr über die Schlosserfamilie Voith aus Heidenheim.

Adelsbrief und Wappen der Vaut/Voyt

1532 wurde Vaut, oder wie er sich in Augsburg schrieb, Voyt (Voit, Foit), in Anerkennung seiner vielfachen und großen Verdienste in Krieg und Frieden zusammen mit seinen Brüdern Erhard, Friedrich, Sebastian, Heinrich und Jakob von König Ferdinand in den Adelsstand erhoben. Der Adelsbrief besagt in langatmigen Ausführungen, dass er ausgestellt sei für den "ersamen, gelerten vnseren getrewen lieben Johan Voyten, beder Rechten Doctor, unsern Rat und seine Eelichen und leyblichen gebrueder mit namen ..."

"Zu einer sondern merung und offenbaren erkanntnus solches Ihres Adenlichen Stands und wirden haben wir Inen Ir Erblichwappen mit namen ain Schiltt darynn von unden bis in die zwei obern hindern und vorder Egg ain gelber oder goldfarber Sparren woelchs unden plaw oder lassurfarb und obertail des Schillts zwischen dem Sparren rot oder lassurfarber und rotter oder rubinfarber hellm degken, drauf ain vordertail aines halben Bern seiner natuerlichen farb mit seinen fuessen ueber sich zum klym erschinend, habend an seinem Hals ain gelbs oder golldfarbs hallsspand mit ainem gelben oder goldfarben Ring und rotter ausgeschlagner Zungen So Sy byssher gebraucht und gefuert haben, confirmiert und bestett und den bestimmten Hellm in ainen Turniershellm, darauf ain guldine Coron, daraus entsprichend der Ber allermassen wie obgemelt gnedigklich verkert, geziert und gebessert"

Quelle: Lauxmann, Richard: Konrad Vaut, der Vogt von Cannstatt, ein schwäbischer Ahnherr, Schriften des Vereins für Württembergische Familienkunde, 1930