Die Wirtsfamilie Beischl aus Margarethenried

Die Familie Beischl aus Margarethenried läßt sich anhand der Matriken zurückverfolgen bis zu dem Pfarrmesner Mathias Beischl, ein „Sachsensohn aus Obersüßbach“. Geboren 1801 in Obersüßbach (Kreis Landshut) steht er mit seiner Hochzeit im Kirchenbuch von Margarethenried, als er am 18.10.1831 die Witwe Theresia Hagel, eine Tagelöhnerstochter aus Hanselsberg, heiratete. Sie war zuvor mit dem ca. 40 Jahre älteren Bartolomäus Wuzl verheiratet, vormals Lehrer und Pfarrmesner von Margarethenried. Mathias übernahm mit der Hochzeit die Pfarrmesnerei.

Der Kirchengesang wurde früher durch die Mesner vorgetragen, deshalb wurden sie auch oft als „Kantor“ bezeichnet. Pfarrer Schumann schrieb 1847, dass „durch die Bemühung des Pfarrmesners Mathias Peischl eine Orgel herbeigeschafft wurde, da zuvor keine da war. Seine Bemühung ist lobenswerth.“

Mit Theresia hatte Mathias einen Sohn Sebastian, (* 22.01.1836) über den im Heimatbuch von Hörgertshausen zu lesen ist, dass sein Vater ihn lobenswerterweise im Orgelspiel unterrichten ließ. 1856 schreibt der Pfarrer, dass die Kirchenmusik vom Mesner und seinem Sohn bestellt wird, besondere Anforderungen aber nicht gestellt werden dürften. 1864 ist zu lesen, dass die Kirchenmusik vom Mesner besorgt werde, und zwar so, dass mancher Schullehrer zurückstehen müsste. Theresia starb 1870, ein Jahr nach ihrem Ehemann Mathias.

1864 musste Sebastian Beischl auf den Schul- und Kirchendienst verzichten, da mit dem Schulneubau nur noch ausgebildete Lehrer unterrichten durften. Er wurde mit der Konzession für eine Bierschänke entschädigt und gründete die erste gesetzlich erlaubte Wirtschaft in Margarethenried. Sebastian wurde Wirt in Margarethenried und 1873 und 1877 auch Distriktsrath in Moosburg. Am 05.07.1864 heiratete er Agatha Hölzl aus Hörgertshausen. Nach seinem Tod 1889 führte seine Ehefrau Agatha die Wirtschaft weiter. Über die Gastwirtin Agatha Beischl wird 1897 bei einem Antrag über die Bewilligung zum Ausschank von Branntwein gesagt, dass sie sich „eines ausgezeichneten Leumunds erfreue und auch die Lokalitäten dem Betrieb einer Wirtschaft und Branntweinschenke entsprechend“ seien.
Aus der Ehe gingen 11 Kinder hervor, von denen aber sechs bereits im Kindesalter verstarben. Zwei der Töchter, die Schwestern Therese und Maria Beischl, sind meine Urgroßmütter. Wie das sein kann? Therese heiratete Johann Eder aus St. Alban und Maria Paul Schmid aus Höhenmoos. Deren Kinder Therese Schmid und Michael Eder, in familiärer Beziehung Cousine und Cousin, heirateten und sind meine Großeltern.

Eine andere Wirtstochter, Agatha, erbte das Wirtshaus in Margarethenried. Eigentlich sollte ja mein Großvater Michael Eder als Neffe die Wirtschaft erben. Aber mit der Heirat des zwölf Jahre jüngeren Josef Pregler sicherte sich Agatha die Grundlage für die Weiterführung der Wirtschaft und damit das Erbe.
So hieß der Wirt (und das Wirtshaus) in Margarethenried nicht mehr Beischl, sondern Pregler. Bemerkenswert an dieser Geschichte aus alten Zeiten ist aber, dass Josef Pregler nach dem Tod seiner Frau Agatha Therese Eder heiratete, eine Schwester meines Großvaters Michael Eder. Da diese Ehe kinderlos blieb, adoptierten sie einen unehelich geborenen Neffen, interessanterweise Anton Beischl, der dann aber den Familiennamen Pregler annahm. Noch heute ist das Wirtshaus im Besitz der Familie Pregler, die den Wirtshausbetrieb vor einigen Jahren aufgegeben hat.

Ansichtskarte Margarethenried um 1910
Ansichtskarte Margarethenried um 1910
Das Wirtshaus Beischl ist unten rechts

Durch einen freundlichen Internet-Forscherkontakt und Nachkommen der Peischls aus Obersüßbach erhielt ich kürzlich noch weitere vier Generationen Vorfahren und Daten zu unserem o.g. bisherigen Spitzenahnen Mathias Beischl. Interessanterweise tauchten um ca. 1800 plötzlich die verschiedenen Schreibweisen Peischl, Beischl und Beuschl auf. So wurden Mathias` jüngere Brüder schon bei der Taufe als "Beuschl" im Kirchenbuch geführt. Davor schrieben sich die Peischl in Obersüßbach immer mit "P" bis zurück in das Jahr 1684.

Unser Spitzenahne in Obersüßbach hieß demnach Vitus Peischl und heiratete 1684 Walpurga in Obersüßbach. Der Begriff "Sachsensohn aus Obersüßbach" mit dem Mathias Beischl in der Ortschronik von Hörgertshausen genannt wurde, mag wohl von dem Jahrhunderte alten Hausnamen "Sax" der Peischls in Obersüßbach stammen. Herzlichen Dank für die Infos und Daten!

Für die Herkunft des Namens "Sax" kommen mehrere Erklärungsansätze in Betracht: Der Name kann abgeleitet werden aus althochdeutsch "Sax" = germanisches Kurzschwert oder "Sasse" = Siedler. Möglich wäre auch eine Herkunft aus der Zeit Karls des Großen um 800, als viele Sachsen aus Norddeutschland umgesiedelt wurden, um das fränkische Reich zu befrieden. Zudem findet sich der Name Sax in Obersüßbach schon in einigen der ältesten Aufzeichnungen der Kirchenbücher mehrfach als Familienname. Er könnte also auch schon um das Jahr 1590 als Hofname abgeleitet vom Besitzer stammen.

Quellen

Wörner, Alfons: Heimatbuch Hörgertshausen, Mainburg 1982
Auszug aus dem Familienbuch der Familie Beischl und eigene Nachforschungen
Matriken Familie Peischl aus Obersüßbach und Infos von Internetkontakt Christian Beuschl