Ahnenforschung Bub

Die Wüstung Malstatt

In der Wetterau gab es einst nicht nur eine Grafschaft Malstatt, sondern auch einen Ort dieses Namens. Andere Bezeichnungen sind Mahlstatt, Mailstat, Mallstatt und Malstat. Der Ort bezeichnete die alte Malstätte des Gaues Wetterau, auf der unter der Leitung des obersten Grafen die Gaugerichte abgehalten und an der in vorchristlicher Zeit aller Wahrscheinlichkeit nach auch die Hauptstätte der Gottesverehrung war. Die alte Gerichtsstätte lag südöstlich von Bauernheim in dessen Gemarkung nahe dem Zechenhaus des dortigen Braunkohlen-Bergwerkes, und wurde selbst Malstatt genannt. Noch Jahrhunderte später haftete an dieser Flur der Namen und ebenso wurde das Feld, in welchem die Stätte liegt, noch das Malstätterfeld und eine über die Stätte ziehende alte Straße die Malstätter Straße genannt.

Belegt wird der Ort Malstatt durch mehrere Urkunden um das Jahr 1040. Näher bezeichnet werden die Lage der Grafschaft und des Ortes Malstatt in einer Urkunde von 1409 in dem Weisthum der Falkensteinischen Grafschaft und des Gerichts Assenheim:

"Das Gericht der von Falkenstein ginge zu Elwenstat mitten auf der Brücke und mitten auf dasselbe Wasser, das man nennt die Nydde und gehe fort das Wasser die Nydde mitten hinab bis auf des Dorfs Kerben Gericht und Terminei und gehe fort zwischen Okerben und Nyddernwolesteder Schutzhude und Terminei bis auf Liechener Terminei und Schutzhude, zwischen Liechener Terminei und Schutzhude, und zwischen Roddeheyner Terminei und Schutzhude bis auf Beynharts Terminei und Schutzhude und fort von dem Beynhart bis auf den Palgraben, und von dem Palgraben herab bis zwischen den zwei Straßheymer und Orsteder Terminei bis an Fryeddeberg Meyntzer porten und an den Roden thorn und da zwischen Feuerbacher, Dorheymer, Ossenheymer und Buernheymer Terminei bis an die Malstadt und dann zwischen Massenheymer, Flonsteder und Wirsteder Terminei bis wider an das vorgenannt Wasser die Nydde, und dann fort das Wasser herab mitten vor Assenheim herab wieder gegen Elwenstat auf die Brucke Mitte".

Wagner schrieb 1854 zur Lage der Wüstung folgendes: Einige Minuten in südöstlicher Richtung von Bauernheim, und in dessen Gemarkung, befindet sich ein Braunkohlen-Bergwerk, in dessen Nähe, nordöstlich, das Zechhaus stehet. Hier, und an der Stelle, wo zwei Straßen sich durchkreuzen, etwa 40—50 Schritte nördlich, lag der Ort Mahlstatt. Die eine dieser Straßen, die vom Zechhause nach Melbach ziehet, heißt die mahl stättet Straße, sowie der Theil der Weckesheimer Gemarkung gegen diese Straße hin, das Mahlstätter Feld genannt wird. Auf dem ehemaligen Pfarracker, wo seit 1810 das Zechhaus stehet, war früher ein Hochgericht, und ein anstoßender Acker, welcher der Pfarrei Ossenheim gehört, führt den Namen Galgenacker. Im Jahr 1367 übergibt Irmendrut Bumennen, Bürgerin zu Friedberg, dem Kloster Arnsburg 6 Morg. Ackerlandes zu Durrin Massinheim (Dorn-Assenheim), nämlich: „uff dem velde gein der Mailstat...".

Quellen:
Landau, Georg: Beschreibung des Gaues Wettereiba, 1855
Wagner, Georg Wilhelm Justin: Die Wüstungen im Großherzogthum Hessen, 1854