Ahnenforschung Bub

Der Katzenstein in der Gemarkung Rodheim

Bei Google Books fand ich eine sehr interessante Abhandlung von Assessor a. D. Emmerich im Archiv für Hessische Geschichte und Altertumskunde, 1867 über den Katzenstein in der Gemarkung Rosbach. Er deutet den Katzenstein als Rest einer römischen Siegestrophäe anläßlich des Siegs des Imperators und Dichters Lucius Pomponius über die Chatten. Belegt wird dieser Sieg in den Annalen des Tacitus, die er zitiert. Auch die Flurnamen in der Gemarkung Rodheim, die er anführt, weisen allesamt auf ein blutiges Schlachtfeld hin.

Falls er mit seiner These richtig liegt, tobte vor rund 2000 Jahren in der Rodheimer Gemarkung ein für die Chatten verlustreicher Kampf gegen die römischen Besatzungstruppen mit mindestens 5000 Toten!

Nachfolgend auszugsweise

Miscellen aus der Geschichte von Rodheim v.d.H.

Von Assessor a. D. Emmerich.

I. Der Katzenstein.

Zwischen Rodheim v.d.H. und Peterweil lag bis zum Jahr 1840 ein 17 bis 18 Fuß langer, 8 Fuß breiter und 3 Fuß hoher quarziger Stein. Man nannte ihn den Katzenstein und erzählte von ihm, dass einst der Schwedenkönig Gustav Adolf auf ihm gesessen habe.

In der hanauischen Muse, die Diefenbach in seiner Urgeschichte der Wetterau in dem Art. Katzenstein allegirt, wird von ihm gesagt, er sei ein altdeutsches, wenigstens römisches Monument gewesen. Dieffenbach meint, er sei römischen Ursprungs gewesen, gibt indessen keine besonderen Gründe hierfür an. Heber im Archiv Bd. 9 S. 304 sagt von ihm, er habe auf den Cultus der Freia Bezug gehabt, weil er in der Nähe des sg. Pfingstborns gelegen habe u.s.w.

Für diese letztere Ansicht können zwar noch die in der Rodheimer Gemarkung befindlichen Katzerborn, heiliger Born, heiligen Borns-Wiesen, der Fauerbach, der Bach, wo heiliges Feuer angezündet wurde, die Hölle, wo die Göttin Hela verehrt wurde, aufgeführt werden. Nichts desto weniger ist die Hebersche Ansicht unbegründet. Es sprechen gegen sie folgende Gründe:

1. Der heilige Hain befand sich nicht an der Stelle, wo der Katzenstein lag, sondern in der Gemarkung des ausgegangenen Dorfs Stürzelheim. Dies folgt aus nachstehenden Bemerkungen.

Der Name Stürzelheim ist zusammengesetzt aus Stürzel, Sterzel, was etwas Abgestoßenes, Abgeschnittenes bedeutet, und Keim der Zaun und heißt daher neudeutsch abgeschnittener Zaun.

Nur die Hägen der bekanntlich umzäunten heiligen Haine waren von so großer Bedeutung, daß nach ihnen der District, wo sie einst sich befanden, genannt werden konnte. Es läßt sich daher annehmen, daß zu Stürzelheim der heilige Hain gewesen sei. Diese Annahme wird bestätigt durch die Bemerkung „großer Garten", den ein District im (alten) Stürzelheimer Felde führt. Denn Garten war im Altdeutschen nicht blos ein umzäunter Platz, sondern auch ein heiliger Hain und groessen, graessen bedeutete: Äste, Zweige abhauen. Der „große Garten" war also ein Platz, dessen Zaun und Bäume abgehauen worden sind, ein zerstörter heiliger Hain.

Bestätigt wird diese Annahme ferner durch den Namen des dem großen Garten nahe liegenden Districts, der Hölle genannt wird und an den Cultus der Hela erinnert.

Bestätigt wird weiter diese Annahme durch die Sage, daß die Burg Stürzelheim früher ein Kloster gewesen sei und an dem Platze, wo sie gestanden, ebenso in dem großen Graben Nachts zwischen 11 und 12 gesungen und musiciert werde. Denn bekanntlich wurden zur Zeit der Einführung des Christenthums Klöster und Kirchen vorzugsweise da angelegt, wo vorher die heiligen Haine und Tempel sich befunden hatten.

Dafür, daß in Stürzelheim der heilige Hain gewesen sei, spricht nun überdies der sehr wichtige Umstand, daß die ersten urkundlich genannten Besitzer von Stürzelheim, die nach Wagner im Archiv Bd. 7 S. 449 ff. seit 1279 vorkommenden Herren von Stürzelheim abgeschnittene Zweige in ihrem Wappen führten, Guden. cod. dipl. II., 466, Nr. 8.

2. Abgesehen davon, daß der Katzenstein entfernt vom heiligen Haine lag, so ist die Heber'sche Ansicht auch insofern ohne Halt, als wir gar nicht wissen, wozu der gedachte Stein bei dem Cultus der Freia diente, während dem nichts entgegensteht, ihn als die Unterlage einer römischen Trophäe zu betrachten.

Schon zu Ciceros Zeiten wurden die Trophäen auf steinernen Unterlagen errichtet, oder, wie Florus III., 3 und Strabo IV., 28 sagen, man errichtete hohe steinerne Postamente und auf solche befestigte man die mit feindlichen Waffen ausgeführten Trophäen.

Eine solche Trophäe ist aber auch wohl an der Stelle, wo der Katzenstein lag, oder, doch in der Rodheimer Gemarkung (wo noch ein ganzer Distrikt „am Katzenstein" heißt) wegen des Siegs des Imperators und Dichters Lucius Pomponius über die Chatten errichtet worden.

Tacitus sagt nämlich in seinen Annalen B. 12, S. 27, 28: „Zur Zeit, als auf Betreiben der Gemahlin des Germanicus Veteranen nach Cöln verlegt wurden, gerieth Obergermanien wegen Annäherung der Chatten in Schrecken. Deßhalb ermahnte Pomponius die Vangionen und Nemeter, die er mit römischer Reiterei verstärkte, den Chatten voranzueilen. In zwei Kriegshaufen vertheilt, überfielen die Truppen, die links gingen, die so eben zurückgekehrten Chatten, die schliefen oder schwelgten. Dagegen stießen die Truppen, die rechts gingen, und zwar auf abgekürztem Wege marschierten, auf den Feind, der den Kampf wagte, dem aber ein großer Verlust beigebracht wurde. Die Truppen kehrten an den Taunus zurück, wo Pomponius mit den Legionen wartete. Pomponius hat wegen dieses Siegs einen Triumphzug gehalten."

Die Expedition gegen die Chatten ging hiernach von den Befestigungen am Taunus aus. Mag man nun die Saalburg oder die Capersburg für diese Befestigung halten, so ist doch so viel gewiß, daß die Römer, die rechts marschierten, nach, oder doch in die Nähe von Rodheim kommen mußten.

In der Gemarkung von Rodheim haben sich nun auch Namen erhalten, die auf eine so blutige Schlacht hinweisen, wie die erwähnte war, und in der namentlich 5000 Chatten gefallen sein mußten, da nur wegen Tötung von 5000 Feinden ein Triumphzug bekanntlich zuerkannt wurde.

Diese Namen sind:

1) Derjenige der Wüstung Laichen, die Weigand von Leisa, Leiche, toter Körper, ableitet,
2) Slade, Schlacht, wie nach Wagner, Wüstungen, eine Flur in der Laicher Gemarkung hieß,
3) Hirrweg, Klageweg.
4) leere Gasse, Namen einer Flur, worin ein District „am Katzenstein" heißt,
5) Streitberg, Namen einer anderen Flur,
6) Schwablache, (lacus Suevorum) gleichfalls Flurbenennung,
7) Schelmenwiese, Aaswiese,
8) Hamster, Verstümmelungsstätte, Richtplatz.

Einen ähnlichen Namen führt der früher zur Gemarkung Rodheim gehörig gewesene Hof Beinhards, Beinwald, mit Knochen angefüllter Wald.

In keiner anderen, dem Taunus nahe gelegenen Gemarkung kommen dergleichen Namen vor und es ist daher wohl anzunehmen, daß jene Schlacht der Römer mit den Chatten in der Gemarkung von Rodheim geschlagen worden sei. Da aber der Triumphzug des Pomponius auch eine Trophäe annehmen läßt, so kann man auch den Katzenstein für die Unterlage einer solchen Trophäe halten.

...

3. Zu allem dem kommt nun noch, daß, wie bereits Diefenbach erwähnt hat, eine ziemlich große Anzahl von römischen Münzen an und bei dem Katzenstein gefunden worden sind und llnch diese für seinen römischen Ursprung sprechen.

4. Der Umstand, daß im Wort Katzenstein im Gegensatz von Ketzerborn das a und n sich bis auf den heutigen Tag erhalten haben, spricht jedenfalls auch dagegen, daß jener Stein auf den Cultus der Freia Bezug gehabt habe.