Ahnenforschung Bub

Affenstein oder Eiskeller?

Update vom 21.11.2009

Hurra! Nach einem Artikel in der Frankfurter Neuen Presse vom 26.10.2009 scheint das Rätsel um den Affenstein endlich gelöst zu sein: Zunächst als mittelalterliche Warte der Frankfurter Landwehr erbaut, verlor er mit der Erfindung des Schießpulvers seine Bedeutung und wurde zur Windmühle umgebaut. Nach dem Bau des Hoffmann'schen Irrenhauses wurde er schließlich als Eiskeller genutzt.

Artikel in der FNP: Rätsel des Affensteins gelöst

Frankfurt. Das Geheimnis um den Affenstein-Turm scheint endgültig gelöst zu sein: Andrea Hampel, Leiterin des städtischen Denkmalamts, hat herausgefunden, dass verschiedene Veränderungen an dem Bauwerk zu unterschiedlichen Deutungen über seine Funktion und damit auch über sein Alter geführt haben.

Sie verweist darauf, dass an verschiedenen Stellen Balkenlöcher in der Turmwand gefunden wurden, die jedoch zunächst durch die senkrechten Hölzer im Inneren verdeckt worden waren. Diese Balkenlöcher teilten den Raum in vier Abschnitte.

Der an der Spitze des sechs Meter hohen Turmes sichtbare Mauereinzug weist danach auch auf seine Funktion als Wehrturm hin. Denn auch andere Frankfurter Wehrtürme zeigen eine vergleichbare Konstruktion mit einem Mauereinzug, wie etwa die Bockenheimer Warte. Als «charakteristisch» bezeichnete Hampel auch das Bruchsteinmauerwerk, in dem im Mittelalter alle Türme errichtet wurden. Die heute erkennbaren Öffnungen, wie etwa der Zugang über eine Mauer, sind nach den Befunden der Denkmalschützer erst später an den Turm gebaut worden. Sein Standort passe ebenso in das Raster der Wehrtürme der Stadt, da er noch vor der Erfindung des Schießpulvers an einer strategisch günstigen Stelle «gegen die Ritter aus dem Taunus» errichtet wurde.

Doch mit der Erfindung des Schießpulvers mussten die Landwehren in einer doppelt so großen Entfernung von den Grenzen der Stadt gebaut werden. Damit lag die Warte am Affenstein nicht mehr an der Grenze der Stadt und hatte ihre Bedeutung als Wehrturm verloren.

Da er keine Bedeutung als Landwehr mehr hatte, wurde der Affenstein nun zu einer Windmühle umgebaut, indem er bis zu der heutigen Höhe abgebrochen wurde, um Platz für den hölzernen Aufbau einer Holländermühle mit vier Flügeln zu haben. Hampel: Für diese Interpretation spreche auch eine kleine, in das Mauerwerk von außen sorgfältig eingepasste Nische für den Steuerbalken, der die Windmühle in ihrer Position hält. Die vier in der Innenwand entdeckten Balkenlöcher waren für diese Nutzung notwendig, um die unterschiedlichen Böden für den Mühlenbetrieb aufzunehmen. In einer Quelle aus dem Jahr 1734 wird darüber berichtet, dass im Jahr 1530 diese Mühle auf dem Affenstein in Betrieb war. Allerdings sei unbekannt, wie lange sie betrieben wurde. wyg

Update:

Nach einem Artikel in der FR-online vom 01.02.2009 wurde die Ruine auf dem Affenstein vom Denkmalamt "als Kulturdenkmal anerkannt". Das damit erwiesen mittelalterliche Bruchsteintürmchen wird nun definitiv in den Neubau der Universitätsbibliothek integriert. Allerdings dürfen wir auf die Veröffentlichung des Gutachtens und die genaue Einordnung des Denkmals noch gespannt sein ...

Quellensuche

Während sich die Experten des Denkmalamtes Frankfurt und der Universität noch stritten, ob die bei den Bauarbeiten für den Unicampus Westend in einem Erdhügel gefundene Ruine ein mittelalterliches Relikt oder doch nur ein Eiskeller der 1859 auf diesem Gelände errichteten Hoffmann'schen Irrenanstalt sei, hatte ich mich im Internet auf Quellensuche gemacht.

Ich gehöre ja zu den Vertretern, die eine mittelalterliche Warte oder einen zumindest ähnlich datierten Gebäuderest am Affenstein vermuten. Zum Bauwerk selbst kann ich nicht viel sagen, da ich davon wenig Ahnung habe und auch noch nicht selbst vor Ort war. Hier muß ich mich auf Aussagen von Forschern und Experten stützen.

Da ich die Diskussionen im Internet zur (nicht vorhandenen) Quellenlage schon geraume Zeit verfolge, habe ich als Geschichtsinteressierte selbst Nachforschungen angestellt und meine eigenen Ideen entwickelt. Dass das Bauwerk zur Zeit der Irrenanstalt ein Eiskeller war, ist mittlerweile schon hinreichend von anderen Seiten belegt worden (Uni-Blog). Für eine frühere Warte und Umwidmung als Eiskeller für die Hoffmann'sche Irrenanstalt sprechen m.A. nach folgende Gründe:

Eine mittelalterliche Warte am Affenstein?

Es gibt drei Quellen, die auf die Existenz einer mittelalterlichen Warte am Affenstein hinweisen könnten: In der "Örtlichen Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main" von 1869 schreibt Battonn: "...XVI 1/2 hell. von dem porthausz an der neuen porten dicta Affenstein." In einer anderen Quelle von 1898 heißt es: "Die Errichtung der 'neuen Warte im Affenstein' wurde am 28. Januar 1434 beschlossen, Ende Juli begonnen, im Frühjahr 1435 wurde der Helm des Thurmes aufgesetzt und dier mit fünf ..." Es ist möglich, dass sich diese Quelle auf den Bau der Bockenheimer Warte bezieht, da diese nachweislich im gleichen Jahr errichtet wurde.

In einer weiteren Quelle vom Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst heißt es aber: "... für den Bau der Bockenheimer Warte wurden Steine vom nahen Affenstein dahingeführt und Kalk 'beslagen' ..." (Quelle: Google Books). Hier frage ich mich: Wo kamen die Steine her? Beim Affenstein gab es eine alte Steinkaut, vielleicht aber auch ein noch viel älteres Bauwerk, dessen Steine für die Bockenheimer Warte verwendet wurden? Der Standort reiht sich perfekt in den Kranz der bisher belegten Warten rund um Frankfurt ein. In der Hessenschau vom 23.06.2008 wurde hierzu eine anschauliche Grafik der noch vorhandenen bzw. nachgewiesenen Frankfurter Warten gezeigt.

Seltsam ist nur, dass bis heute keine anerkannten schriftlichen Nachweise für eine Warte am Affenstein bekannt sind. Was aber nicht heißen muss, dass es sie niemals gab. Zum anderen ist auf dem Faberplan von 1552 von der Belagerung Frankfurts zwar das fragliche Gebiet als "Affenstain" bezeichnet, aber dort ist keinerlei Hinweis auf ein steinernes Bauwerk zu erkennen. Das kann bedeuten, dass es die Warte zu diesem Zeitpunkt aus Gründen, die noch zu kären sind, schon nicht mehr gab.

Oder ein noch älteres Bauwerk ...

In einer Publikation des "Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst" vom Frankfurter Verein für Geschichte und Landeskunde in Frankfurt am Main von 1905 heißt es: "Der Affenstein, nördlich vom Lindau zwischen Weg Eliseuskreuz-Praunheim und Eschersheimer Straße, ursprünglich wohl auch Wald. In ihm stand die Wolfgangskapelle, zu der von der Eschersheimer Straße der Wolfgangsweg führte." (Quelle: Google Books).

Karte der Frankfurter Landwehr von Pelissier
Kartenausschnitt der Frankfurter
Landwehr von E. Pelissier
"Die Frankfurter Landwehren"

Seltsam, dass ich weder über über die Wolfgangskapelle noch das Eliseuskreuz schriftliche Nachweise gefunden habe. Die einzigen Hinweise zum Eliseuskreuz liefern die u.g. Karte über die Frankfurter Landwehr von Pelissier sowie die Erwähnung des Kreuzes bei www.suehnekreuz.de. Die Seitenbetreiber ließen mir dankenswerterweise folgende Information zu diesem Kreuz zukommen: "An der Ecke Eschersheimer Landstraße und Grüneburgweg stand einst das sog. Elisäuskreuz. Dieses Kreuz hatte auf der Vorderseite eine kreuzförmige Vertiefung, in die ein metallenes Kruzifix eingelassen war, das nach Lersner folgende Inschrift trug: "Anno Dni. 1497 ward diß Krutz uffgerichtet von dem erssam Heliseus Wies dem J.X. gnidig sy." Damit ist zugleich ein ungefähres Alter für diese Art von Kreuzen gewonnen." (Riebeling, Heinrich: Die Steinkreuze und Kreuzsteine in Hessen, 1977)
Wann es verschwand, ist nicht bekannt.

Vielleicht doch eine längst vergessene Kapelle am Affenstein? Dies würde auch den "Avestein" als letzten Rest eines religiösen Bildstocks erklären.

Als letzte Option könnte die jetzt gefundene Ruine auch der Sockel einer mittelalterlichen Windmühle gewesen sein. In der Frankfurter Handelsgeschichte von Alexander Dietz, 1970 steht: "... Bockenheimer- und ?Meisengasse (bereits 1350) und auf dem Zimmergraben, sowie zwei Windmühlen vor dem Mainzer Tor und auf dem Affenstein vorhanden."

Als Nachweis eines namengebenden Bauwerks am Affenstein sei die historische Karte "Franckfurt, mit der Gegend auf 2 Stund" angeführt, die am Affenstein eindeutig ein Gebäude verzeichnet.

Historische Karte Franckfurt, mit der Gegend auf 2 Stund
Kartenausschnitt "Franckfurt, mit der Gegend auf 2 Stund" von Gabriel Bodenehr (ca. 1720)
Quelle: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Historische Karten

Zur Begriffsherkunft

Der Affenstein wurde zeitweilig auch Avestein genannt! Die Zeitschrift der Deutschen geologischen Gesellschaft von 1867 offenbart: "... bei Bockenheim selbst und in der Nähe von Frankfurt am Avestein (wo jetzt das neue Irrenhaus erbaut ist)...". Angeblich stammt der Begriff von einem religiösen Ave-Maria Bildstein an dieser Stelle, vor dem sich Gläubige verneigten.

Von Affenstein abzugrenzen ist der Begriff Affentor oder Affenthor, der die Südpforte Sachsenhausens beschreibt.

Warum gibt es keine schriftlichen Belege?

Das kann verschiedene Ursachen haben. Für weniger wahrscheinlich halte ich es, dass die Errichtung einer Warte oder Kapelle nie schriftlich festgehalten wurde. Eher denke ich, dass schriftliche Belege über den Bau verloren gegangen sein könnten. Oder das mittelalterliche Bauwerk wurde schon kurz nach der Errichtung bei einer kriegerischen Handlung geschliffen und bald vergessen.

Blogs zum Ruinenfund am Affenstein

Fotos und Diskussionen gibt es bei Ipernity, bei Wikipedia und im Uni-Blog der Frankfurter Uni.

Lt. Frau Hampel vom Denkmalamt Frankfurt lassen "Bauweise und Zustand auf eine mittelalterliche Turmanlage schließen, es dürfte sich hierbei mit großer Wahrscheinlichkeit um den Affenstein handeln, eine befestigte Hofanlage, die mit dem Turm in der Art der Warten Warn- und Überwachungsaufgaben für die Stadt Frankfurt übernahm."